Arbeiten mit der Kochkiste

Wie man eine Kochkiste baut, habe ich euch gestern gezeigt. Heute will ich mal näher auf die Nutzung eingehen.

Das Prinzip der Kochkiste

Kochkiste. Katalogbild vom Ende des 19. Jahrhunderts - Transferred from de.wikipedia ; transferred to Commons by User:Nillerdk using CommonsHelper

Das Prinzip der Kiste basiert auf einem physikalischem Gesetz:

Wenn etwas von schlechten Wärmeleitern umgeben ist, kann es seine Temperatur nur entsprechend langsam ändern.

Dieses Gesetz funktioniert natürlich in beide Richtungen:

Kurz und knapp für alle Physikmuffel, so wie ich einer bin:

(Wer Physik mag, kann sich ja mal den Wikipedia-Beitrag zum Wärmedurchgangskoeffizienten durchlesen.)

schlechte Wärmeleitung = gute Isolation
gute Wärmeleitung = schlechte Isolation

etwas Kaltes / schlecht isoliert = wird warm
etwas Warmes / schlecht isoliert = wird kalt

Nun ist unsere Kochkiste ja eine gut isolierte Kiste, also gilt:

etwas Warmes / gut isoliert = hält Wärme
etwas Kaltes / gut isoliert = hält Kälte

Somit ergeben sich drei Nutzungsmöglichkeiten:

Kochen, Warmhalten & Kühlen

Die Funktion des Kühlens habe ich noch nicht getestet. Als ich las, dass sich die Kochkiste sogar zum Herstellen von Eis(creme) nutzen lässt, war meine Neugier geweckt. Bei meiner Suche bin ich immer wieder auf Auszüge aus dem Buch ‚Ich kann kochen‘ (erschien 1909 im Ullstein-Verlag) gestossen. Da iches wie gesagt noch nicht getestet habe und deshalb auch nichts falsch wiedergeben möchte, hier mal ein Auszug aus dem Buch zum Thema

Kühlen und Eis herstellen mit der Kochkiste

Weniger bekannt ist es, daß sich die Kochkiste im Sommer auch sehr gut zum Kühlhalten von Speisen und Getränken verwenden läßt, die dann natürlich gut gekühlt in sie eingesetzt werden müssen. Da ihre Wirksamkeit in Wärmeisolation besteht, so ist es klar, daß sie ebenso eine kühle, wie eine warme Temperatur den ihr anvertrauten Dingen lang erhält. Wenn sie richtig angefertigt ist, ist ihre Isolation so gut, daß sich sogar Gefrorenes in ihr anfertigen läßt. Man benötigt dann noch außer des in sie eingepackten Topfes eines kleineren, der ebenfalss gut schließen und so in den ersten Topf eingelegt werden muß, daß noch ringsum sowie oben und unten eine Lage der Kältemischung Raum hat. Die Kätemischung besteht am zweckmäßigsten und einfachsten aus fein zerkleinertem Eis, das mit einem Drittel seiner Gewichtsmenge Viehsalz untermischt ist. In den kleineren Topf kommen dann die gut gekühlte zu gefrierende Masse (Fruchtsaft oder Creme) und außen herum die Kältemischung. Man Muß von zenn zu zehn Minuten nachsehen, das bereits Gefrorene vom Rand abstoßen und die Masse gut durchmischen. Wenn die ganze Masse breiartig gefroren ist, füllt man die Kältemischung noch einmal auf, schließt die Kiste gut und läßt das Eis noch etwa eine Stunde lang in der Kiste stehen oder reifen, wie der Ausdruck lautet. Der Versuch lohnt sich, wenn man keine wirkliche Eismaschine besitzt, und man wird erstaunt sein, mit wie wenig Arbeit und mit welch geringem Verbrauch an Eis sich in der Kochkiste Gefrorenes herstellen läßt.

Das ist doch wirklich interessant oder?

Garen / Kochen in der Kochkiste

Zum Thema Garen / Kochen in der Kochkiste habe ich auch einige interessante Informationen gesammelt. Besonders spannend fand ich die Entdeckung eines ‚Kriegskochbuch‚ von 1916. Dort steht geschrieben, dass man Speisen die in der Kochkiste gegart werden sollen, ankochen muss. Das heißt, man kocht sie 1/4 der eigentlichen Garzeit ganz normal auf dem Herd.
Der Topfdeckel sollte während der letzten 5 Minuten auf dem Herd nicht mehr angehoben werden und dann sofort und zügig in die Kochkiste gestellt werden.In anderen Quellen habe ich von einer Minute gelesen und denke das es da letztendlich eigener Erfahrungen bedarf. Bei meinem ersten Milchreis-Experiment hätte ich das Ganze z.B. unmöglich 5 Minuten bei geschlossenem Deckel kochen lassen können…
Die Garzeit verlängert sich ca. um das drei bis vierfache.

Kochkiste_Kartoffeln1Was noch wichtig ist, wenn in der Kiste gegart werden soll: Der Topf sollte ungefähr zu zwei Dritteln gefüllt sein. Nicht weniger, um unnötigen Wärmeverlust zu vermeiden. Aber auch nicht mehr, da sich Dampf bildet, der sonst den Deckel anheben könnte, wenn zu wenig Raum da ist.

Da aus dem Topf nichts verdampfen kann, kann man für die Speisen im Prinzip weniger Flüssigkeit verwenden. Jedoch ist dann nicht unbedingt der Topf ausreichend gefüllt.

Geeignete Speisen sind alle die, die insgesamt einen hohen Flüssigkeitsanteil haben. Also alles was man in Wasser kocht oder quellen lässt. => Kartoffeln, Pasta, Reis, Hülsenfrüchte

Auch komplette Speisen sind möglich, z.B.: Suppen, Eintöpfe, Soßen, Gulasch, Milchreis

Vorteile beim Garen in der Kochkiste sind:

  • hohes Potenzial zum Energiesparen
  • einfach selbst herzustellen
  • es kann nichts anbrennen oder überkochen
  • man muss nicht daneben stehen
  • man kann mit etwas Erfahrung, so kochen, dass Essen zu bestimmten Zeiten fertig und warm ist. (z.B.: Wenn Kinder aus der Schule oder man selbst von der Arbeit kommt)
  • Geschmack, Farbe und Geruch der Lebensmittel bleiben erhalten
  • durch die schonenden Temperaturen bleiben viel mehr Nährstoffe erhalten

Nachteile:

  • die Kiste ist ganz schön groß und sperrig
  • es wird mit sehr heißen Töpfen hantiert
  • es sind nicht alle Speisen geeignet

 

Warmhalten mit der Kochkiste

Kochkiste_Kartoffeln2

 

Da Speisen in der ihre Temperatur in der Kiste nur langsam verändern, kann man die Kiste auch einfach zum Warmhalten nutzen. So spart man sich den Energieaufwand, der zum erneuten Erwärmen notwendig gewesen wäre.

Grundsätzlich hält die Kiste über Stunden warm, von bis zu 8 Stunden habe ich gelesen. Wie lange das Essen aber tatsächlich so heiß ist, dass man es ohne wieder zu erwärmen, essen kann, hängt von zwei Faktoren ab:

  • Wie heiß wurde das Essen in die Kiste gepackt?
  • Wie gut ist meine gewählte Isolation?

Was an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben darf, denn das ist der Grund weswegen ich nun gerade zur Kochkiste gefunden habe: Sie soll sich wunderbar eignen, um Joghurt herzustellen. Der Versuch läuft nun gerade bei uns.

 

So, jetzt ist dieser Beitrag auch schon wieder so lang geworden. Dann gibt es halt morgen einen Dritten zum Thema „Kochkiste“ und ich werde mal meine Versuche und Ergebnisse erläutern.

 

5 Kommentare für “Arbeiten mit der Kochkiste

  1. 22. Januar 2014 at 11:44

    Hallo Annika, jetzt muss ich ersthaft hier heute für einen Kommentar schon wieder meine Daten eingeben, das wird auf Dauer aber nervig …

    Dabei wollte ich doch nur schreiben, dass ich das Warmhalten von Speisen noch in sehr guter Erinnerung von meiner Großmutter habe: Da lag das Schlafzimmer nämlich gleich hinter der Küche – und Kartoffeln & Co kamen dann zwischenzeitlich im Topf ins Bett.
    LG Silke

    • Annika
      Annika
      22. Januar 2014 at 13:19

      Hallo Silke,
      ja warm halten im Bett entspricht im Grunde einer sehr abgespeckten Variante der Kochkiste. Das Prinzip ist das Gleiche. Im Bett haben wir auch schon gelegentlich mal etwas warm gehalten, aber die gedankliche Brücke zur Kochkiste war bis dato nicht gegeben.

      Zum Kommentieren: Du nutzt bestimmt deine google/blogspot-Daten zum Kommentieren, oder? Dieser Blog liegt ja nicht mehr bei blogspot, sondern auf einem eigenen Server und als Blogsoftware nutze ich wordpress.org

      Wenn du das mehrmalige Eintragen vermeiden willst, kannst du dich hier auf der Seite registrieren und beim ersten Einloggen das Häkchen bei “Erinnere dich an mich” setzen. (siehe rechte Seite => Meta => Registrieren bzw. Einloggen)

      Solang du dann nicht deinen Browser-Cache leerst, müsstest du bei jedem Aufruf vom grünen Himmel automatisch eingeloggt sein.

      Liebe Grüße,
      Annika

  2. Marie
    22. Januar 2014 at 15:49

    Ooh, mich juckt’s auch in den Fingern… ich finde die Idee ja so grandios. Essen ankochen, spazieren gehen, zurück kommen, fertig 🙂 Wo steht eure Kiste denn eigentlich, wenn ihr nicht gerade damit kocht? Wir haben leider keine Abstellkammer oder so etwas, und die Küche ist jetzt nicht soo groß… :-/

    Liebe Grüße!
    Marie

    • Annika
      Annika
      22. Januar 2014 at 17:24

      Liebe Marie, wenn wir die Kiste nicht gebrauchen, wird sie vermutlich unters Bett wandern. Da hat die Kiste auch vorher gestanden. Dauerhaft in der Küche würde bei unserer kleinen Küche auch nicht gehen und die Abstellkammer ist voll. 😉

      LG

  3. 26. Januar 2014 at 13:29

    Die Idee selber ist Klasse! Zumindest kenne ich diese Teile noch von früher. Zu Zeiten von Omas und Großtanten sah man die noch öfter. Die Idee selber und deine Beschreibungen, doch ich finde das doch sehr interessant und überlegenswert!

    Lieben Gruß, Michaela

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