Claudia

So lang ich zurückdenken kann und weit davor, war ich immer schon ein„Mogli“, ein wildes Kind, ein „Draußen-Kind“, nicht gemacht für lange Aufenthalte in Innenräumen.

Es begann schon als Baby, so wurde die wahre Anekdote mehrfach erzählt: Ich lag zufrieden in meinem Kinderwagen draußen bei den Hunden. Es fing leicht an zu regnen, meine Mutter wollte mich reinholen. Ich habe wohl so herzzerreißend geweint, dass sie einen Regenschirm holte und mich noch eine Weile dort gelassen hat, so dass ich aufhörte zu weinen.

Weit mehr als ich ahnte, haben mich diese ersten Jahre im ca. 3000 m² großen Garten des Fachwerkhauses am Rande einer Kleinstadt im Münsterland geprägt. Ein Garten, in dem es gefühlt alles an Obst und Gemüse gab, was das Herz begehrte. Außerdem viel Freiheit für Klein-Claudi, die mit ihren Kuscheltieren, Liegen und Decken Buden baute und eigene Welten für sich in diesem Garten schuf.

Der spätere Familiengarten war kleiner, spießiger, aber immerhin ein Garten, in dem ich als Kind ein kleines Beet eigenständig bewirtschaften durfte. Auch sonst war ich viel draußen mit meinen Freundinnen.Mit 16 rückten Heilkräuter in meinen Fokus: ein Kräuterkurs bei Frau Gisela Schmidtlein aus dem Tecklenburger Land, öffnete mir Herz und Verstand für den Heilschatz der Natur. So kannte ich schon früh so allerlei Kräutlein und deren Wirkung.

Seit einiger Zeit erweitere ich diese Kenntnisse wieder kontinuierlich. Dieses Wissen möchte ich gern mit anderen Menschen zur Unterstützung der Gesundheit für Körper, Geist und Seele teilen.

Wie das Leben so spielt…

.., gab es viele andere interessante und bewegende Dinge in meinem Leben, die mich zwischenzeitlich in andere Gefilde geführt haben.

Anzeichen, dass etwas fehlte und  schlummerte, gab es in all den späteren Jahren in Berlin ohne Garten und direkten Zugang zur Natur.

Wie glücklich war ich, als wir endlich eine Wohnung mit Balkon hatten und ich mich ein bisschen austoben konnte! Noch glücklicher, irgendwann ein riesiges Waldgrundstück am See in Brandenburg am Wochenende nutzen zu dürfen, so dass meine vier Kinder eine ähnliche wilde Freiheit zumindest am Wochenende genießen konnten, die vielleicht auch ihr Leben nachhaltig geprägt hat. Schon damals habe ich diese Sehnsucht wieder verspürt, etwas anzubauen, zu gestalten, zu meinen Wurzeln zurückzugehen, aber das war an jenem Ort nicht wirklich möglich.

Eine Trennung, ein neues Studium mit Mitte 40 und ein neuer Partner folgten. Ich hatte weder Zeit noch Gelegenheit zum Gärtnern. Irgendwann wurde der Wunsch nach einem Ort in direkter Naturnähe immer stärker.

Wir wünschten uns einen Garten in Wassernähe, um Kanu zu fahren und zu schwimmen. Im Herbst 2015 war es schließlich so weit: knapp 1000 m² Erholungsgrundstück in Brandenburg „kurz vor Polen“ in Laufweite zur alten Oder mit einer kleinen „Datscha“ aus Stein wurden mein.

Schnell kam die alte Leidenschaft hoch:

Ich wollte Kräuter, Gemüse und vor allem Tomaten anbauen. Neue Obstbäume und Beerensträucher zogen ein. Anfänglich alles etwas planlos, noch an den Strukturen der Vorbesitzer klebend.

Klar war, dass mein Garten biologisch aufgebaut sein sollte: kein chemischer Dünger, kein Torf, kein Hybrid-Saatgut usw. Ich fing an, samenfestes Saatgut zu tauschen und selbst zu vermehren. Die enorme Vielfalt an Gemüsearten- und Sorten faszinierte mich von jeher.

Natürlich mochte ich auch Blumen und kaufte neue Stauden. Die in meiner Kindheit angelegten Staudenbeete meines Vaters waren damals schon anders und bunter als die der Nachbarn, viele Stauden allerdings Züchtungen. Ich hatte von meinen Eltern gärtnerisches Wissen mitbekommen, aber alles noch recht konventionell.

Ich begann, mich mit alternativen Methoden und Konzepten zu beschäftigen und viel im Selbststudium zu lernen und auszuprobieren. Anfang 2019 stieß ich auf das Hortus-Netzwerk. Den Garten als Kreislauf denken, Verwendung vorhandener Materialien: das war schon immer meins! Nun kam der Gedanke hinzu, der Natur etwas zurückzugeben und Orte für Tiere, vor allem für die schwindenden Insekten zu schaffen.

Ein neuer Horizont tat sich auf, und ich verstand plötzlich, dass wir alle etwas tun können, um zumindest einen kleinen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt zu leisten.

Mit der Begeisterung für das Hortus-Prinzip wuchs mein Gestaltungs- und Veränderungswille. Ich begann die vorgegebenen Strukturen aufzuweichen und Eigenes zu entwickeln. So entstanden beispielsweise zwei Magerbeete mit heimischen Pflanzen und eine Miniwiese mit Regio-Saatgut.

Totholz in allen Varianten nimmt viel Raum in meinem Garten ein, was jährlich die Igel freut.