Wohl dem, der mehr als genug Gartenfläche zur Verfügung hat, um alle Ideen und Wünsche umzusetzen. Es kann aber auch sein (vermutlich sogar der häufigere Fall), dass die Fläche begrenzt ist.
Vielleicht ist dein Garten nicht so groß, eventuell hast du auch nur einen Balkon oder eine Patenschaft für eine Baumscheibe. Gründe für begrenzte Flächen gibt es jedenfalls genug und deshalb möchte ich ein Projekt ein zweites Mal aus einer anderen Betrachtung heraus vorstellen.
In diesem Fall war es eine begrenzte Fläche auf einem großen Grundstück. Da dort Ferien- und Gruppenunterkünfte sind, werden größere Freiflächen einfach gebraucht. Es gibt also einige Terrassen und auch große Rasenflächen und dazwischen entstehen seit gut einem Jahr verschiedene Beet-Inseln, die Struktur und Lebendigkeit entstehen lassen sollen.

Beim letzten Hortus-Netzwerktreffen in der Prignitz ist dieses Projekt, das Beet entstanden und hat die vorhandene Fläche wirklich massiv aufgewertet. Durch die Kombination von verschiedenen Materialien, Pflanzen, Naturmodulen und Bodenaufbauten ist auf einer Fläche von etwa 20m2 ein kleines, aber vielfältiges Paradies entstanden.
Vorbereitungen – Hin und Weg

Die Fläche lag lange brach und der Bewuchs war ziemlich unattraktiv. Das sollte sich ändern und so war die erste Maßnahme auf der Fläche, das gründliche Entfernen von nicht erwünschtem Bewuchs. Ampfer-, Löwenzahn- und Brombeer-Wurzeln wurden sorgfältig ausgegraben und am Ende hatten wir ungefähr 20m2 nackten Boden.
Damit hier etwas Neues entstehen kann, brauchen wir natürlich Material. Davon konnten wir einiges in der ländlichen Umgebung am Wegesrand finden, anderes war auf dem Grundstück versteckt. Es gab mehrere Ecken, in denen Materialreste von vorherigen Baustellen lagerten.
Wir durften uns auch auf anderen Grundstücken im Ort raussuchen, was wir für geeignet hielten. So hatten wir schon alleine bei der Materialbeschaffung eine gewisse Vielfalt zusammengetragen.

Lehm, Steine in groß und klein und Holz in kurz und lang und dick und dünn. Damit kann man schon ziemlich kreativ an das Werk gehen.
Und das taten wir dann auch gemeinsam. Als Erstes entstand eine dekorative Vorderkante am Beet. Es wurde dort vom Lehm was angeschüttet und da rein die großen Steine gesetzt. Diese wurden sehr sorgfältig nebeneinander gesetzt, so dass sie eine einheitliche und harmonische Front bildeten.
Im ersten Beitrag über dieses Beet kannst du dazu noch ein paar zusätzliche Bilder sehen.
Durch gesetzte Steinkanten und später auch quer gelegte dicke Äste entstand eine Struktur, die das Beet in kleinere Teilflächen trennte.
Diese Unterteilung inspirierte später auch dazu, die Böden der Flächen unterschiedlich zu behandeln. Auf 20m2 haben wir eine Wiese, Waldboden, Terrasse und einen mageren Blühstreifen angelegt. Natürlich alles nur im Miniaturformat. Ein weiterer Punkt in Sachen Vielfalt, den wir trotz begrenzter Fläche umsetzen konnten.
Das klingt jetzt gerade spektakulärer, als es vielleicht ist. Denn da wo die Blühpflanzen hinsollen, ist der vorhandene, vorbereitete Boden geblieben wie er ist. Zwischen Apfelbaum und hinterer Beetkante darf der Rasen wieder wachsen.
Zwischen Sitzplatz und großem Holzmodul ist eine Art Waldboden entstanden, weil beim Fegen der Brennholzecke mehrere Schubkarren abgeplatzte Rinde zusammenkam. Im Grunde also extrem grober Rindenmulch.
Manch einer denkt bei der Gestaltung eines Beetes fast nur an das, was gepflanzt werden soll. Richtig lebendig und interessant wird es aber oft erst durch die Integration verschiedener Höhen und Tiefen. Und auch das geht weit über die Gestaltung des Bodens hinaus. In unserem Beet sollte es deshalb unbedingt auch ein größeres Naturmodul geben.
Stumpery – Ein wertvolles Mikro-Biotop
Ein kreatives und optisch ansprechendes Naturmodul können kunstvoll kombinierte Baumstümpfe, Stämme und / oder Wurzeln sein.
Das Wort Stumpery ist mir erst vor einer Weile begegnet. Klingt irgendwie modern, oder? Ins Deutsche übersetzt ist es ungefähr so was wie „Wurzelgarten“ oder „Baumstumpfgarten“.

Damit die Komposition aus Holz sicher steht, werden Löcher gegraben, in die man die Stämme und Äste senkrecht hineinstellt und den Boden drumherum auffüllt und ordentlich festtritt.
In der Umsetzung ist das sehr einfach zu machen und kann sicher auch von Gartenanfängern problemlos umgesetzt werden.
Bei der Anordnung gibt es keine Regeln. Gut ist, was gefällt. Die Stämme können dicht an dicht oder auch mit etwas Abstand aufgebaut werden. Bei unserem Beet wechselten sie auch mehrfach die Plätze. Aber am Ende ist da ein richtig prägender Hingucker mitten in der Fläche entstanden.
Erste Reihe im Natur-Kino
Im Beet steht ja auch ein älterer Apfelbaum. Er ist nicht so riesig, aber die Krone ist groß genug, um darunter eine Bank in den Schatten zu stellen.
Wir schleppten eine der Gartenbänke heran und stellten sie erst mal nur unter dem Baum ab. Das entstandene Gesamtbild war bis hierhin sehr stimmig und ich sitze in Gedanken schon im nächsten Frühling auf genau dieser Bank und werde mir die schönsten Naturfilme live und in der ersten Reihe anschauen und einfach mal nichts tun.

Der Boden war an der Stelle des Beetes ja kahl durch die Vorbereitungen. Ein Boden aus sehr sandiger Erde. Beim Probesitzen auf der Bank kam mir irgendwie in den Sinn, dass da wo ich die Füße abstelle, wenigstens eine kleine befestigte Fläche sein sollte. Im Herbst und Winter könnte das sonst doch ein ganz schön matschiges Plätzchen werden.
Ja, aber versiegelte Flächen im Naturgarten? Muss nicht sein. Da unser Netzwerktreffen leider bereits zu Ende war, überlegte ich mir, wie ich das am besten umsetzen könnte. Ich sammelte ein paar flache Steine, holte vom Schutthaufen nebenan noch ein paar alte Terrassenplatten und Fliesen. Außerdem eine halbe Schubkarre voll Lehm und zwei kleine Eimer Schotter.

Ich habe vor der Bank dann etwas von der Erde weggeschaufelt und zur Hälfte wieder mit Schotter aufgefüllt, darauf die erste Portion Lehm. Dann kam der kreative (und irgendwie meditative) Teil der Arbeit und es entstand ein kleines Mosaik aus sehr unterschiedlichen Steinen. Die entstandenen Fugen habe ich auch wieder mit Lehm aufgefüllt und um es besser in die Zwischenräume zu bekommen, habe ich mit der Gießkanne vorsichtig alles in die Ritzen eingespült.
Diese Art und Weise der Bodengestaltung ist eine Lösung in der Mitte von „trockenen Füßen“ und „unversiegelten Flächen“. Das heißt, es kann durchaus mal nötig werden, an dieser Stelle auszubessern. Das stört mich aber nicht. Ich bastele ohnehin gerne im Garten.
Pflanz-los = Nix-los
Ein Film ohne Protagonisten ist ziemlich langweilig. Deshalb wurden natürlich auch zahlreiche Pflanzen auf den vier verschiedenen Bodentypen gepflanzt und gesät. Denn ohne All-You-Can-Eat ist das schönste Hotel nichts wert.
Du kannst auf zwei Arten an das Thema Beet-Bepflanzung herangehen. Du könntest im Vorfeld recherchieren und gezielt Pflanzen auswählen, um bestimmte Insekten anzulocken.
Oder du pflanzt und säst, was dir gerade so zur Verfügung steht. Dann ist es eine Überraschung im doppelten Sinne. Wie die Kulisse aussieht und wer sich am Buffet bedient, zeigt dir dann die nächste Saison.
Wir haben die zweite Methode angewandt und lassen uns überraschen. Ich bin schon gespannt auf die Premiere.

Ich versuche mal ein bisschen aufzuzählen, was an Pflanzen eingezogen ist. Damit du ein paar erste Anregungen hast:
- Am hinteren Beetrand wurden hohe Margeriten, Herzgespann und ein paar wilde Karden gesetzt. Die hochwachsenden Arten bilden eine Art halbhohe Rückwand am Beet.
- Zwischen Bank und Stumpery ist der schattige Bereich mit „Waldboden“. Hier sind vor allem Fingerhüte und Schlüsselblumen gepflanzt worden.
- Im vorderen Blühstreifen finden sich Königskerzen, Margeriten, Wiesen-Salbei, Natternkopf, Sandgrasnelken, Klatschmohn, rote Lichtnelke, Mutterkraut, fette Henne, Malve …. Und wirklich viele andere Arten. Mal schauen, was sich langfristig durchsetzt.
Wer sich wohl alles an unserem Buffet bedienen wird? Bei naturaDB habe ich die genannten Pflanzen zusammengestellt. Dort kannst du schon einmal schauen, welche Gäste sie anlocken könnten. Klicke auf den Link und du wirst weitergeleitet.
Hinter dem Stumpery habe ich noch Liebstöckel gesetzt. Auf diesem Grundstück gibt es keine reinen Ertragsbeete. Es wächst stattdessen überall auch etwas Essbares dazwischen. Und da fallen mir dann auch noch Walderdbeeren ein. Die sind auch ums Stumpery gepflanzt worden.
Ich schicke euch hier einfach mal ein paar Bilder mit, die den Blühstreifen von oben zeigen. Dann seht ihr, dass da eine Menge keimt und auch was sich in wenigen Wochen – selbst im Herbst – tut. =>

Gras, Löwenzahn, Sauerampfer… die jäte ich dort regelmäßig. Anderes beobachte ich oft erst. Sobald sich eine Blattrosette geoutet hat und ich weiß, was es wird, lege ich genau diese ein Pflanze frei und entferne alles was direkt daneben gekeimt ist. Das wäre dann ja eh zu viel an Pflanzen.
Ein Platz in der ersten Reihe – Hier blüht uns was

Mit diesem Beet wurde die Bühne für ein lebendiges Schauspiel erschaffen. Jetzt warten wir gespannt auf die Premiere. Ich freue mich jedenfalls jetzt schon darauf, die weisen Worte von Pippi Langstrumpf beherzigen zu dürfen und im Schatten des Apfelbaumes auf der Bank zu sitzen und die vielen – sich stets ändernden – Details auf dieser Fläche der Vielfalt zu ergründen und zu beobachten.