privat selbstversorgt – beruflich selbstständig

Unsere Pläne aus der Stadt wegzuziehen, sind natürlich nicht nur von positiven Umständen begleitet. Es gibt einiges zu bedenken.
Dazu gehört vor allem Die berufliche Situation. Arbeit zu finden ist heutzutage generell nicht unbedingt einfach und dass eine 100% Selbstversorgung und der vollständige Verzicht auf Geld in unserem Land kaum umsetzbar sind, habe ich schon öfters angesprochen.

Für uns ist die erstrebenswerteste Form der Arbeit auf jeden Fall eine selbstständige Tätigkeit. Entweder mit eigenen Produkten oder mit Dienstleistungen.

mit eigenen Produkten Geld verdienen

berufe_0186Die meisten Menschen, die wir kennengelernt haben, die auch an Selbstversorgung interessiert sind, bringen handwerkliches Geschick, Kochleidenschaft und / oder Kreativität mit. Gute Voraussetzungen um eigene Produkte herzustellen.
Doch leider ist der nahe liebendste Bereich – Nahrungsmittel – äußerst stark reglementiert. Landwirtschaftliche Erzeugnisse kann unverarbeitet relativ einfach verkauft werden. Aber verarbeitet man seine Ernte z.B. zu Würzmischungen, Marmeladen oder eingekochten Suppen sieht es schon ganz anders aus. Die geltenden Vorschriften erfordern meistens erstmal eine Investition, bevor man loslegen kann. Nicht zu vergessen ist auch, dass man natürlich Material teilweise vorfinanzieren muss, um überhaupt erstmal ein Produkt herzustellen.

selbstständig als Dienstleister

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Im Bereich der Dienstleistungen sind meiner Meinung nach die Hürden und der Investitionsbedarf günstiger. Es gibt zwar auch hier wieder Regeln und Gesetze, über die man sich im Vorfeld erkundigen sollte. Dennoch halte ich den Start im Dienstleistungsbereich für einfacher.

Dienstleistungen gibt es in einem breiten Spektrum und ich denke, dass eigentlich jeder eine Aufgabe für sich finden kann.
Was sind deine Talente, deine Leidenschaften? Biete genau das an. Was du mit Leidenschaft machst, machst du gut.

als „Einzelkämpfer“ den Markt erobern

Wir arbeiten seit 2005 selbstständig im Dienstleistungsbereich und haben es geschafft uns eine Existenz aufzubauen.  Wir haben in dieser Zeit auch mit vielen anderen Selbstständigen zusammengearbeitet und dabei folgendes festgestellt:

In ihrer angebotenen Tätigkeit waren sie eigentlich alle sehr fähig  und das man sich nebenbei auch um die Buchhaltung kümmern muss, hat sich mittlerweile herumgesprochen.

Was aber die meisten immer noch  außer Acht lassen, ist die Präsenz am Markt.

Wenn niemand weiß, dass du Hunde Gassi führst, Gartenarbeiten übernimmst, als Haushaltshilfe, Alleinunterhalter oder was auch immer tätig bist, wird dich auch niemand als Kunde ansprechen.

Es ist also wichtig präsent zu sein.

Wenn du dir Marketing nicht zutraust, solltest du dir Hilfe nehmen, statt auf deine selbstständige Tätigkeit zu verzichten.

Visitenkarten solltest du auf alle Fälle haben. Wann immer das Gespräch mit jemanden auf deine Tätigkeit kommt, kannst du ihm gleich deine Kontaktdaten in übersichtlicher Form überreichen.

Ansonsten gibt es natürlich viele Wege die nach Rom –äh zum Kunden – führen. Je nachdem welche Tätigkeit du anbietest, ist die eine oder andere Marketingmethode für dich sinnvoller als eine andere.

nur einige Möglichkeiten: eigene Webpräsenz, Flyer, Anzeigen in Zeitungen oder im Internet, Infostände, kleine Fachmessen, Networking…

gemeinsames, regionales Marketing

Was ich vor einigen Tagen entdeckt habe, finde ich auch ein sehr hilfreiches Angebot, wovon es doch bitte sehr bald mehr geben sollte:

Bei Mila kann man seine Dienstleistungen auf einem Online-Marktplatz inserieren. Es gibt verschiedene „Pakete“ die man als Dienstleister buchen kann.
Die Pakete umfassen verschiedene Marketinginstrumente, z.B. Promotion, Mailings, Foto- oder Videoshootings.
Derzeit läuft eine Aktion, die z.B. den Anbietern von Haushaltsdienstleistungen als Werbung zu Gute kommt. Bei der Aktion „Frühjahrsputz“ gibt es für die Kunden satte 70% Rabatt. Das heißt eine Haushaltsreinigung für 15Euro statt 49Euro. Wobei Mila die Differenz übernimmt und nicht der Dienstleister auf eine angemessene Bezahlung verzichten muss.
So etwas geht natürlich nur, weil die Seite verschiedene Dienstleister zusammenführt und so – durch die Mitgliedsbeiträge aller – solche Aktionen quer finanzieren kann.

Ich finde diesen Ansatz sehr gut. Solche lokalen Zusammenschlüsse können eine echte Chance für Dienstleister sein. Es bleibt die Freiheit sich überwiegend auf die  eigentliche Tätigkeit zu konzentrieren und gemeinsam den lokalen Markt zu stärken.

Warum Selbstständigkeit für uns optimal ist

Für uns persönlich bietet die Selbstständigkeit einige gravierende Vorteile, die sich sehr gut mit unserem Bestreben nach Landleben und Selbstversorgung vereinen lassen.

  • Wir gehen Tätigkeiten nach, die uns Freude machen.
  • Wir sind freier in der Gestaltung der Arbeitsabläufe.
  • Zeitaufwand und Verdienst sind variabel.

Da wir – wie ich finde – mit relativ wenig Geld auskommen, müssen wir nicht 5 Tage die Woche arbeiten gehen. Dafür bleibt uns Zeit im Garten unser Gemüse anzubauen und in der Küche die Ernte zu verarbeiten.

Natürlich gibt es trotzdem auch mal Schwierigkeiten. So ist die Zahlungsmoral bei Firmenkunden seit Jahren zunehmend schlechter.  (Hier kann man meistens wirklich von „Moral“ sprechen, an der „Fähigkeit“ liegt es selten.)
Im Privatkundenbereich haben wir allerdings keine schlechten Erfahrungen gemacht. Vielleicht ist der persönliche Kontakt, der eine gewisse Wertschätzung mit sich bringt?

Die Dienstleistungen, die wir zukünftig weiter ausbauen wollen, sprechen deshalb auch eher den Privatmensch an.
Derzeit verändern wir unsere beruflichen Tätigkeiten so, dass wir sie im Prinzip genau wie unsere Möbel einfach beim Umzug „mitnehmen“ können.

Wir versorgen uns selbst mit Jobs.

2 Kommentare für “privat selbstversorgt – beruflich selbstständig

  1. Marie
    25. März 2014 at 15:33

    Hi Annika,

    interessanter Beitrag! Ich selbst war nur zwischendurch mal für eine kürzere Periode selbstständig (und mal nebenher, ohne wirklich davon abhängig zu sein) und weiß daher nicht genau, wie das eigentlich ist und wie viel Zeit man gerade am Anfang in Marketing, PR & Co investieren muss. Das ist ja sicher auch unterschiedlich, je nachdem, wie viele Kontakte man schon geknüpft hat und wie die Nachfrage generell so aussieht. Andererseits denke ich mir, dass vielleicht nicht jeder zum/r Selbstständigen geboren ist?

    Im Moment lese ich (mal wieder) ziemlich viel zum Thema Müßiggang. Klingt vielelicht etwas platt, ist an sich aber ein sehr politisches Thema, das viel mit dem Arbeitsmarkt, der Arbeitsweise, Selbstbestimmung, Kreativität, Grundeinkommen uvm. zu tun hat. Eine Erkenntnis lässt mich nicht mehr los: dass wir schon lange dazu hätten übergehen können, weniger zu arbeiten. Wir sind so produktiv geworden, die Maschinen sind so fortgeschritten und der Lebensstandard ist so hoch, dass wir alle locker ein Drittel weniger arbeiten könnten. Das gilt auch für Angestelltenverhältnisse.

    Mittlerweile scheint es auch eine Tendenz zu geben, seine Angestellten von zu Hause aus über’s Internet arbeiten zu lassen. Mit ganz mörderisch viel Glück wird Daniel diese Chance vielleicht in Zukunft bekommen. Wenn sich nun auch noch rumspricht, dass eine 50% Stelle völlig ausreichend ist um gut leben zu können, Zeit für seine Familie und den Garten zu haben… ach, dann würde ich mich freuen! 🙂

    Faule Grüße,
    Marie

  2. 31. März 2014 at 12:18

    Hallo Annika, schöner Beitrag und ein Traum von vielen…. Ich versuche mir auch mehrere Standbeine zu schaffen – noch bin ich in einem Arbeitsverhältnis, mein Chef kann aber jederzeit in Rente gehen und was dann?? Persönlich wäre für mich ein Halbtages Job mit dem ich abgesichert bin, der mir aber genug „Freizeit“ für meine Standbeine gibt am liebsten – mal sehen wie sich alles entwickelt lg Annett

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