Ene mene miste, es rappelt in der Kiste

Kochkiste. Katalogbild vom Ende des 19. Jahrhunderts - Transferred from de.wikipedia ; transferred to Commons by User:Nillerdk using CommonsHelper

Habt ihr schonmal von einer Kochkiste gehört? Neulich habe ich davon wieder gehört und wollte das unbedingt mal ausprobieren.

Bei einer Kochkiste handelt es sich um Küchen-Hilfsmittel, dass Anfang des 19. Jahrhunderts den Hausfrauen, dass energiesparende Wirtschaften ermöglichen sollte.

In Notzeiten war so eine Kiste umso mehr wert. Wenn z.B. während des Krieges nur kurzzeitig Strom zur Verfügung stand, wurden Speisen auf dem Herd angekocht und in der Kochkiste fertig gegart.

Zitat aus einem Kriegskochbuch von 1916:

Will die Hausfrau beim Kochen Zeit und Feuer sparen, so bediene sie sich der Kochkiste.

Setzt sie die Speisen angekocht hinein, so kann sie dieselben nach einiger Zeit fertiggekocht herausnehmen und sie braucht sie nur noch zu würzen

Was ist eine Kochkiste?

Bei einer Kochkiste handelt es sich um eine von innen isolierte Kiste. Die Isolierung füllt den gesamten Raum der Kiste aus, bis auf eine passgenaue Aussparung für einen Kochtopf (oder auch 2).
In die Aussparungen stellt man heiße Töpfe um Speisen ohne Energieaufwand fertig zu garen oder sie bis 8 Stunden warm zu halten. Mit dieser Methode sollen sich 50-90% der Energie einsparen, die normalerweise für den Kochvorgang benötigt werden würde.

Eine abgespeckte Variante, die man heute vielleicht eher noch kennt, ist das Warmhalten von Speisen im Bett unter Decken und Kissen. Das Prinzip ist das gleiche.

Wobei eine Kochkiste noch besser funktionieren dürfte, da es sehr wichtig ist, dass sich kein Luftkanal bis zum Topf erstreckt. Durch solche Löcher würden die Speisen erheblich schneller auskühlen und zumindest das Fertiggaren erschweren.

Bau einer Kochkiste

Man braucht eigentlich gar nicht viel, um sich eine Kochkiste selbst zu bauen. Eine Holzkiste mit Deckel und Isoliermaterial.Eine Kiste kann man sich ggf. auch aus Sperrholzplatten selbst zusammenschrauben. Wichtig ist, dass die Kiste groß genug ist, damit der ausgewählte Topf mindestens 5cm von jeder Seite mit Isoliermaterial fest umgeben ist, besser sind 10cm.

Kochkiste2Als Isoliermaterial wurde früher z.B. Heu, Holzwolle oder Zeitungspapier verwendet. Man kann aber auch Styroporplatten verwenden.

Isolieren mit Styropor: Aus dem Material Platten ausschneiden, die den Grundriss der Kiste entsprechen. Man benötigt so viele Platten, bis sie übereinandergelegt, die Kiste komplett ausfüllen.
Man legt nun ein bis zwei Bodenplatten aus Styropor in die Kiste (denke an die 5cm Iso-Schicht von jeder Seite!)In die folgenden Platten muss man nun jeweils eine Aussparung in Topfgröße schneiden.
Bei den oberen Platten muss bei der Aussparung an die Topfgriffe gedacht werden. DIe letzten Platten bleiben unversehrt und bilden die obere Isolierschicht (mind. 5cm!).

Kochkiste3Isolieren mit anderem Füllmaterial: Hierbei wird die Kiste besonders fest mit dem gewählten Material ausgestopft. Hat man den Raum um den Topf, bis unterhalb der Griffe, ausgekleidet, kann man die versuchen, dass Ganze zu fixieren, indem man den neu geformten Raum sorgfältig mit Stoff auskleidet.
Für die Nutzung der Kochkiste sollte man dann ausreichend Füllmaterial bereithalten, um den Rest des Kisteninnenraums ausszustopfen, sobald das Kochgut eingestellt wurde. Ein sauberes Handtuch über den Topf gelegt, kann sinnvoll sein, wenn man Stroh oder ähnliches als Isoliermaterial gewählt hat.

Wie haben wir es gemacht?

Zunächst haben wir mal geschaut, welches Material wir zu Hause finden können. Die perfekte Kiste hatten wir schonmal. Es war eine alte Munitionskiste aus sehr stabilem Holz und mit Schnappverschlüssen am Deckel. Diese Verschlüsse erwiesen sich bei den ersten Kochversuchen als äußerst praktisch, weil wir so wirklich viel Iso-Material reinstopfen konnten und der Deckel das ganze durch seine Fixierung ordentlich abschloss.

Kochkiste4Dann fiel mir noch eine Isomatte vom Campen in die Hände. Hatten wir schon seit Jahren nicht mehr verwendet. Aus dieser Matte habe ich 6 Teile ausgeschnitten und die Kiste damit einmal vollständig ausgekleidet.

Isoliermaterial waren für’s Erste saubere Handtücher und Bettwäsche. Ich werde aber in der nächsten Zeit Zeitungen sammeln und für die Isolierung nutzen.

Die Sache mit dem Topf

Wir haben uns jetzt erstmal gegen eine Isolierung aus Styropor entschieden. Durch das Zuschneiden der Platten würde wir uns jetzt auf einen Topf / eine Topfgröße festlegen und noch habe ich nicht das Idealmaß gefunden. Da ich schon feste Pläne habe, was in der Kiste gemacht werden soll.

Dazu aber morgen in einem Artikel zur Kochkisten-Nutzung mehr, sonst wird es hier zu umfangreich.

Was man aber noch wissen sollte, wenn man eine Kochkiste baut: Der Topf muss immer zu mindestens 2/3 gefüllt sein, um Wärmeverluste zu vermeiden. Es macht also keinen Sinn, eine Kochkiste so groß zu bauen, dass ein 10Liter-Suppentopf hineinpasst, wenn man mit der Kiste Kartoffeln für zwei Personen kochen möchte.

3 Kommentare für “Ene mene miste, es rappelt in der Kiste

  1. 21. Januar 2014 at 12:45

    Meine Oma hat die Kochkiste nutzen müssen, damals in der Nachkriegszeit. 😉 Sie hat die Decken und Kissen der Betten verwendet. Not macht halt erfinderisch. Ich finde es toll, dass ihr es auch probiert.

    LG

  2. Marie
    21. Januar 2014 at 20:24

    Au toll, dann freue ich mich schon auf den nächsten Artikel morgen! Finde es auch genial, dass ihr das ausprobiert. Ich hatte gelesen, dass sich nicht alle Nahrungsmittel gleich für’s Kochen in der Kochkiste eignen – stimmt das? Aber Kartoffeln, Milchreis, Linsen und Co werden ja bestimmt gut mitmachen. Njamm.

    Frohes Experimentieren!
    Marie

  3. 22. Januar 2014 at 08:13

    Mit den Betten kenne ich auch, aber von ener Kochkiste hab ich noch nie gehört. Finde ich sehr interessant und danke dir fürs Zeigen.

    Liebe Grüssle

    Nova

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