Herstellung von Eichelkaffee

Morgens brauch ich meinen Becher voll Kaffee, um wach zu werden und in den Tag zu starten. Aber auch am Nachmittag oder frühen Abend habe ich manchmal Lust auf einen schönen, heißen Kaffee mit Milch und Zucker.
Da ich aber auch irgendwann mal schlafen will / muss, ist diese Koffeindröhnung zu fortgeschrittener Tageszeit nicht immer ratsam.;-)

„Dann kauf dir doch koffeinfreien Kaffee!“ werdet ihr euch sicher denken. Doch das wäre zu einfach und langweilig. Wir sind hier im grünen Himmel und da wird versucht soviel wie möglich selbst zu machen. Warum also nicht auch Kaffee?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um sich einen Kaffeeersatz selbst herzustellen. Was alle Methoden gemein haben, ist dass der Kaffee koffeinfrei ist.Im Frühjahr habe ich schonmal Löwenzahnwurzeln angefangen zu sammeln, aber das war nicht meins. Erstmal ist es ganz schön mühsam, die Wurzeln auszubuddeln und zweitens mag ich den Löwenzahn ja sehr gerne und lass ihn lieber wachsen. Immerhin kann man auch die Blätter und Blüten wunderbar nutzen.

Wir haben gerade die ideale Jahreszeit um ein anderes Selbstmach-Kaffee-Experiment zu starten:

selbstgemachter Kaffeeersatz aus Eicheln

Millionenfach liegen sie in Wäldern und Parks, auf Straßen und Wiesen und doch nutzen wir sie kaum mehr als für herbstliche Deko oder Eichelmännchen-Basteleien.
Es hat mich schon länger interessiert, was man aus den in Massen zur Verfügung stehenden Eicheln herstellen und wie man sie sinnvoll nutzen kann.
Bei der Wildkräuterwanderung wurde uns dann erklärt, wie man Kaffeersatz aus ihnen herstellen kann. Gestern habe ich das dann mal ausprobiert:

Eichelkaffee1

Schritt 1: Eicheln sammeln. Ich habe im Internet den Hinweis gefunden, dass die Eicheln der Stieleiche (gerundete Blätter) besser sein sollen als die der Roteiche (gezackte Blätter). Ob das stimmt, kann ich nicht beurteilen. Aber zufälliger Weise habe ich unter dem „richtigen“ Baum gesammelt.

Schritt 2: Schale entfernen. Zuerst muss man die Eicheln aus ihrer Schale pulen. ich habe das mit einem kleinem Küchenmesser gemacht. Erst die Schale anritzen (sie ist recht weich) und wenn dann erstmal ein Anfang da ist, geht der Rest eigentlich ganz einfach.

Schritt 3: Haut entfernen. Die braune Haut der Eicheln sollte nun gründlich entfernt werden. habe ich auch mit dem Messer gemacht. Geht aber auch- wie bei Mandeln – mit Überbrühen. Die Eicheln verfärben sich recht schnell, wie Äpfel. Auf dem dritten Foto oben, seht ihr die Verfärbung. Das ist keine Haut!

Schritt 4: Klein schneiden. Mit ein wenig Vorsicht und einem größeren Messer müssen die Eicheln dann zerkleinert werden.

Schritt 5: Spülen. Wenn die Eicheln gespült werden, ist das Endergebis weniger bitter. Dazu die Eicheln mehrmals mit frischem Wasser durchwaschen. Wenn es nicht mehr milchig ist, ist das Ziel erreicht.

Eichelkaffee2

Schritt 6: Langsam rösten. In einer Pfanne werden die Stücke dann OHNE Fett geröstet. Dabei sollte die Temeperatur nicht zu hoch sein. Ich habe sie bei ca. 90 °C gehalten. Damit nichts anbrennt und alles gleichmäßig geröstet wird, muss das Ganze permanent mit einem Holzlöffel bewegt werden. Es darf nichts schwarz werden, denn sonst ist der Kaffee am Ende doch bitter.

Schritt 7: Mahlen. Okay, also das ist wirklich der Schritt, der mir am meisten zu schaffen gemacht hat. Ich dachte: „Schmeißte die gerösteten Stücke in die Küchenmaschine und schwups, ist alles fein gehäckselt.“ Aber das hat so gar nicht geklappt. Also doch mit eigener Kraft: Rein in dem Mörser und gemahlen, und gemahlen …

Schritt 8: Nachrösten. Kann man, muss man aber nicht. Das gemahlene Pulver nochmals in der Pfanne nachrösten. Aber vorsicht: So kleine Krümel sind defintiv schneller schwarz, als grobe Stücke.

Eichelkaffee3

Schritt 9: Aufbrühen und genießen! In einem kleinem Topf wird Eichelkaffee und Wasser kurz aufgekocht und anschließend durch ein Sieb abgegossen. Pro Tasse Kaffee schwanken die empfohlenen Mengenangaben zwischen 1 Teelöffel und 1 Esslöffel. Je nach Geschmack.

Selbstverständlich lässt sich der Eichelkaffee auch noch geschmacklich abrunden und verfeinern Zum Bespiel eine Prise Zimt oder ganz einfach den Kaffeestandard Milch & Zucker. Einfach mal ein bisschen ausprobieren.

Interessant finde ich noch, dass dem Eichelkaffee medizinische Wirkungen zugeschrieben werden. Er wirkt sich unter anderem postiv auf die Verdauungsorgane und den Blutzucker aus.
Hier habe ich mal einen Link über die Wirkung der Eiche rausgesucht, wo ihr kurz und knapp Wissenswertes und weitere Rezeote findet.

FAZIT: Während ich den Artikel schreibe, trinke ich gerade meinen zweiten Eichelkaffee, diesmal mit etwas Zimt, Zucker und Milch.
Geschmacklich finde ich den Eichelkaffee vom echten Kaffee ungefähr soweit entfernt, wie Getreidekaffee. Das Zuviel an Bitterstoffen habe ich wohl tatsächlich rausgewaschen, der Kaffee ist sehr angenehm im Geschmack.
Nur mit der Dosierung muss ich noch etwas rumprobieren. Könnte etwas stärker sein.
Das war auf jeden Fall ein spannendes Projekt und ich werde mir da bestimmt noch einen kleinen Vorrat anlegen.

12 Kommentare für “Herstellung von Eichelkaffee

  1. 12. Oktober 2013 at 18:13

    …das klingt ja spannend, liebe Annika,
    und auf die Idee, Eicheln zu verwenden, wäre ich nie gekommen…ist allerdings insgesamt schon ganz schön viel Arbeit, bis alles geschält und gehackt ist…

    wünsch dir ein schönes Wochenende,
    lieber Gruß Birgitt

    • Fred
      14. November 2013 at 17:13

      Hallo Annika. Ich bin mittlerweile schon 50 und komme ursprünglich aus dem Harz. Dort hatte ich schon als Kind gewisse Einblicke wie man was selber Herstellen kann. Eichelkaffee habe ich mich immer riesig drüber gefreut wenn mein Mentor seine Frau ihn auf den Tisch gestellt hatte und ich dabei sein durfte. Nebenbei mit 95 Jahren ist er noch mit seinem Fahrrad Holz holen gefahren im Wald und ist 104 Jahre alt geworden. Eichelkaffee ist nicht nur gut für den Blutzuckerhaushalt sondern auch für die Haut und gerade für die Nieren. Ich wünsche dir weiterhin viel Spaß beim selber ausprobieren. Der Kreation sind keine Grenzen gesetzt was die Natur alles so zu bieten hat. Meine Erfahrung! Viele Liebe Grüße Fred

      • Annika
        Annika
        15. November 2013 at 21:59

        Lieber Fred, vielen Dank für deinen herzlichen Kommentar. Ich hab mich sehr gefreut. Sonnige Grüße, Annika

  2. 12. Oktober 2013 at 18:27

    Sehr interessant! Danke für den Beitrag! Ich glaub, den Kaffee mach ich auch. Eicheln gibt es ja mehr wie genug zur Zeit! 😉

    GLG, Kerstin

  3. 12. Oktober 2013 at 21:27

    Als Kaffee kann ich mir Eicheln tatsächlich besser vorstellen. Von Mehl und Brei bin ich hingegen nicht so überzeugt.

    Da ich keinen Kaffee mag, kommt das wohl trotzdem für mich nicht in Frage, oder schmeckt er völlig anders?

    • Annika
      Annika
      16. Oktober 2013 at 07:26

      Hallo Lorenz,
      deine Frage ist etwas schwer zu beantworten.
      Also je nach Dosierung schwankt der Geschmack ziwschem Getreidekaffee und schwarzen Tee.
      Finde ich jedenfalls.
      Ich glaube, dass es auch jemanden schmecken kann, der den echten Kaffee nicht mag.

      Trau dich und probier es mal aus!

      Liebe Grüße,
      Annika

  4. 13. Oktober 2013 at 10:08

    Das finde ich interessant, so hab ich davon noch nie gehört. In D. hätte ich die mir zu Tonnen in die Tüten stecken können, gleich ab vom Hof. Von daher hasse ich eigentliche Eichbäume, denn die machen das ganze Jahr über nur Dreck :-(((

    Geschmacklich vorstellen kann ich ihn mir gar nicht, aber vielleicht bekomme ich ja noch irgendwann mal Eicheln, dann teste ich es.

    Schönen Sonntag und liebe Grüsse

    Nova

  5. 5. November 2013 at 13:01

    Super Artikel!
    Hab ich schonmal ausprobiert, aber mit der Dosierung hatt’s leider nie ganz hingehauen :-/

    LG ANDI

  6. 26. Juni 2014 at 13:54

    Das ist ja wirklich mal was ganz anderes 🙂 Und Eicheln findet man wirklich genügend im Wald! Ich glaube das werde ich auch mal ausprobieren ich bin nämlich wirklich gespannt wie dieser Kaffee schmeckt und mit der tollen Anleitung sollte das denke ich funktionieren! Gibt es noch mehr solcher Rezepte? 🙂

  7. Melle
    5. Oktober 2015 at 21:21

    Hallo Annika 🙂
    Ich hoffe du liest dies noch, auch wenn der Artikel schon länger her ist!
    Ich beschäftige mich erst seit kurzer Zeit mit dem Thema Naturprodukte verwenden…ich möchte langsam umsteigen…z.B. verwende ich seit kurzem Roggenmehl und Apfelessig zum Haare waschen und habe auch gerade mit großem Interesse deinen Artikel über Wäsche waschen mit Kastanien gelesen 🙂 das werde ich auf jedenfall auch ausprobieren!

    Nun aber zu meinem eigentlichen Anliegen 😉
    Wie lange kann man das Eichelpulver ausbewahren?

    Deine Seite ist wirklich schön!

    Viele Grüße
    Melanie

    • Annika
      Annika
      6. Oktober 2015 at 09:26

      Hallo, na klar les ich das noch. 😉 Wenn es zur Zeit auch manchmal länger dauert.

      Mein erster Kaffeeversuch ist mir leider nach ca. 10-14 Tagen verschimmelt. Da hatte ich einfach zu schlecht
      geröstet und getrocknet. Wenn es richtig trocken ist, kannst du es eigentlich recht lange aufbewahren.
      Habe aber noch nie soviel Kaffee gemacht, dass ich dir da jetzt einen konkreten Zeitraum nennen kann.

      Liebe Grüße,
      Annika

  8. Melle
    7. Oktober 2015 at 15:49

    Super 🙂 vielen Dank!
    Also so fast 14 Tage ist schon mal eine gute Zeitangabe 😉
    Werde die Tage vieleicht mal los und sammeln.

    Liebe Grüße
    Melanie

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.