Fukuoka / Nichts-tun-Landwirtschaft … ein Versuch…

Heute möchte ich euch einen kleinen Einblick in meinen „Fukuoka-Versuch“ geben. Zunächst einmal die Umstände, die mich zu dieser Methode geführt haben:

– Im Samentauschpaket war eine Saatgutmischung mit dem Namen „Fukuoka“ enthalten. Das hat mich neugierg gemacht.

– Unser Garten hat extrem sandigen Boden. Das heißt er trocknet schnell aus, verschlämmt sehr leicht und bietet ohne unser Zutun von Kompost und Jauchen relativ wenig Nährstoffe für die Pflanzen.

Anfang Juni, ca. 3 Wochen nach Aussaat

Zunächst habe ich mich im Internet versucht über Fukuoka schlau zu machen. Dabei habe ich folgende Informationen zusammengetragen:

Asia-Salat & Ringelblume

Ringelblume & neuseeländer Spinat

Es handelt sich um eine eigene, spezielle Anbaumethode, die von dem Mikrobiologen und späterem Bauer Fukuoka Masanobu erfunden wurde.
Die Grundidee ist eine natürliche Form der Landwirtschaft, in der die Pflanzen in Mischkultur halb-wild angebaut werden.
Ein anderer Begriff für die Fukuoka-Anbau-Methode ist „Nichts-tun-Landwirtschaft“. Dieser Überlegung liegt allerdings nicht die Faulheit des Gärtners zugrunde. Vielmehr geht es darum, dass die Natur sich zum größten Teil selbst überlassen wird und dadurch reguliert.
Die Saatgutmischung enthält Pflanzensamen mit verschiedenen Keimdauer und Wachstumsperioden (u.a. Gemüsepflanzen, Wildkräuter, Gründüger, Getreidearten) , so dass es eine natürliche Dauerbegrünung des Feldes gibt.
Dennoch fand ich auch die zu erwartende Arbeitsersparnis dieser Methode reizvoll. Derzeit haben wir so abwechslungsreiche Arbeitszeiten, dass es manchmal ein paar Tage gibt, in denen wir wenig bis keine Zeit für den Garten haben.
Kurz zusammengefasst bedeutet Fukuoka: Das Ausbringen einer bestimmten Saatgutmischung auf einen mit Mulch bedeckten Boden, der anschließend sich selbst überlassen wird.

Die vier wichtigsten Prinzipien dieser Anbaumethode:

1. keine Bodenbearbeitung
Durch die Mulchabdeckung und die intensive Begrünung trocknet der Boden weniger aus. Seine Struktur und sein Nährstoffgehalt verbessern sich, da die Mulchschicht im Laufe der Zeit durch Bodenorganismen ganz normal zu Humus verarbeitet wird.


2. Düngung ist überflüssig
Zum einen trägt die immer wieder neu aufgetragene Mulchschicht zur Humusbildung bei, zum anderen wird Weißklee als Gründünger angebaut. Wer hat, kann einzig ein bisschen Hühnermist mit in die Mulchdecke einarbeiten.

3. Das „Un“kraut bleibt

Tomate, etwas Basilikum & Asia-Salat

Auf einem Fukuoka-Feld wird Unkraut stehen gelassen. Es beschattet den Boden und sorgt für die sogenannte Schattengare des Bodens. Außerdem haben die Unkräuter einen unschätzbaren Wert für das angestrebtenatürliche Gleichgewicht auf einem Fukuoka-Feld.

Erbse

4. Chemikalien sind tabu
Na das wär ja auch eine Überraschung, wenn bei der bisher beshriebenen Methode am Ende Chemie genutzt wird, um eventuelle Pflanzenkrankheiten oder Schädlinge einzudämmen. Nein, hat sich erstmal ein natürlicher Kreislauf eingestellt – erreicht das Feld sein angestrebtes natürliches Gleichgewicht – werden solche Probleme sich selbst lösen.

Der mit Abstand beste Link zum Thema ist, wie ich finde, dieser hier:
kleinsthof.de/Biogarten/Fukuoka

wilde Malve

Wie habe ich diese Methode nun in unserem Garten umgesetzt:

Neulich habe ich schonmal in diesem Artikel davon berichtet, dass sich soviel selbst ausgesät hat in unserem Garten. Das Feld an dem bis dahin die „wildeste“ Mischung von alleine gewachsen ist, hab ich für meinen Versuch ausgewählt.
Asiatischer Salat, Ringel- und Sonneblumen, wilde Malve, neuseeländer Spinat, Kamille und Erdbeeren hatten sich hier schon angesiedelt. Statt diesen Wildwuchs zu entfernen, habe ich einfach die Fukuoka-Mischung dazwischen geworfen und eine Mulchschicht aus altem Laub und frischem Grünschnitt aus dem Garten aufgebracht.

Kamille, ?, Kürbis

Mittlerweile wächst und gedeiht allerhand mehr auf dem Feld und ich bin bis hierhin wirklich begeistert. Es finden sich nun Rettiche, Kürbis, Erbsen, Rauke und viele andere Pflanzen auf dem Feld. Ich bin sehr gespannt, wie die Ernte auf diesem Feld ausfallen wird.
Ich habe die Methode etwas angepasst, aber an die 4 Grundprinzipien halte ich mich. Immer wenn ich im Garten nun etwas neues ausgesät habe, habe ich ein paar übriggebliebene Samen auf das Fukuoka-Feld geschmissen. Somit dürfte sich dort eine sehr bunte Mischung an Nutzpflanzen ansiedeln. Entgegen der Methode habe ich auch eine vorgezgene Tomate auf das Feld gepflanzt. Die Sorte passt irgendwie zum Feld: Wildtomate „Gelbe Johannisbeere“.

Erbeeren unter der wilden Malve

Unkraut entferne ich nur, wenn ich sehe, dass es dicht an einer offensichtlichen Nutzpflanze wächst. Dann ziehe ich das Kraut samt Wurzel raus, lasse es aber an Ort und Stelle auf der Mulchschicht liegen. So wird diese konsequent erneuert. Da ich solche Aktionen nur an sonnigen Tagen durchführe, vertrocknen die Wurzeln der Kräuter schnell, ohne wieder anzuwachsen oder sich weiter auszubreiten. 

Ein bisschen was haben wir von dem Feld auch schon geerntet. Ein paar Erdbeeren, Malvenblüten für Tee, Malvenblätter als Spinat und ein paar Würzkräuter. Die ächsten Wochen und Monate werden hoffentlich noch mehr ergeben. Ich bin gespannt, wie das Ergebnis dieses Anbauversuches ausfallen wird.

rote Melde und Ringelblume

Bislang bin ich sehr zufrieden und finde es absolut spannend, das Feld und seine Veränderungen zu beobachten.
Ich freue mich schon, wenn ich euch demnächste neue Fotos zeigen darf.

Hat von euch jemand so eine Methode bereits getestet?

Bei youtube gibt es eine Reihe sehr interessanter Videos zu dieser Methode. Leider nicht auf deutsch, aber die Bilder geben auch so einen Einblick.

http://www.youtube.com/watch?v=v2aKo6la7J4&feature=results_video&playnext=1&list=PL0349AFDC503DAFE9

6 Kommentare für “Fukuoka / Nichts-tun-Landwirtschaft … ein Versuch…

  1. 21. Juni 2012 at 18:53

    Ich habe noch nie etwas von dieser Methode gehört…tönt aber äusserst spannend!!
    Merci für den interessanten Post!
    ♥-lich Brigitte

  2. 21. Juni 2012 at 21:21

    Von der Methode habe ich in der Ausprägung auch noch nichts gehört, liegt aber jedenfalls im Dunstkreis der Permakultur.

    Ich habe ohne das Prinzip zu kennen ein ähnliches Beet angelegt, auf dem ich größere Unkräuter allerdings ausrupfe, um Raum für interessante Keimlinge zu schaffen. Ich habe in diesem Jahr nicht nachgesät, trotzdem ist einiges an nützlichen Pflanzen (wieder) gekommen. Teilweise habe ich die Sachen aber garnicht gesät, sondern sie waren wohl in der verwendeten Erde.
    http://chaosgarten.blogspot.de/search/label/Permakulturbeet

    Ich werde einfach weiter beobachten und vielleicht auch mal ein paar Samen draufschmeißen.

    Sorry für den Doppelpost, aber da hatte ich doch einen zu gruseligen Rechtschreibfehler eingebaut.

  3. 21. Juni 2012 at 22:15

    Also das klingt ja mal interessant, aber ich hatte bisher auchnoch nie davon gehört.
    Der Link funktioniert leider nicht mehr bzw. escheint da auf der Kleinsthof seite eine Feghlermeldung, aber ich werde sobald ich etwas Zeit habe auf jeden Fall darüber nachlesen!
    DANKE dafür…. Ich möchte auch versuchen ein wenig weg zu kommen von den Reihenbeeten, obwohl ich zwar viel Mischkultur mache aber ich möchte noch mehr in Richtung Permakultur oder so.
    Mehr Natur sein lassen und dennoch diese nutzen können.
    Wirklich toll Dein Beitrag!
    Möchte auf jeden Fall gerne wissen wie es damit weitergehen wird bei dir. ^^
    LG

    • 22. Juni 2012 at 11:30

      Hallo, schön das dir der Beitrag gefällt! Habe den Link nochmal überarbeitet. Jetzt funktioniert er.

      LG
      Annika

    • 24. Juni 2012 at 09:05

      Hallo Annika!
      Tolles Beet!
      Wir haben einige Beet (fast alle??) in denen wir im Frühjahr bemerkt haben, dass bei unseren jährlichen Saaternteaktionen wohl was daneben gefallen ist und die jetzt von allein schon gut bestückt werden. Gerade Mangold sät sich so schön selbst aus und die Blüten riechen so toll nach Honig, von daher bleiben bei mir die besten Pflanzen immer stehen und dürfen dann mal selbst ran. Interessanterweise gehen an die selbstgesäten (gesünderen?) Pflanzen auch selten die Nacktschnecken ran, auch wenn sie daneben fleißig mühevoll angezogene Pflänzchen mampfen.
      Deine unbekannte Pflanze zwischen Kamille und Kürbis könnte Franzosenkraut sein. Bin mir aber vom Bild nicht sicher, zumal es aussieht, als wüchsen dort aus den Achseln neue Triebe, das kenne ich vom Franzosenkraut nicht so. Entweder vergleichst du es mal in einem Kräuterbuch (kann dir die Bestimmungsbücher von Steffen Guido Fleischhauer ans Herz legen) oder du wartest bis es blüht, Franzosenkraut blüht mit einer kamilleähnlichen Blüte, nur ist die Blüte vielleicht 5mm groß. Man kann laut Herrn Fleischhauer auch die jungen Blätter essen, aber mein Ding ist’s nicht.
      Im Bild hinter der unbekannten Pflanze wächst bei dir übrigens weißer Gänsefuß, das ist die Pflanze mit den weißlich bestäubten Spitzen. Das sind Blätter und junge Triebe superlecker gekocht oder roh und sie sät sich auch sehr gern selbst aus. Davon gibt’s auch noch eine Verwandte, Magentaspreen, die nicht weiß bestäubt ist, sondern knalligdunkelpink und von meiner Nachbarin immer für eine besonders hübsche Zierpflanze gehalten wird. 🙂
      Viel Spaß beim Gärtnern,
      Luise 🙂

  4. Anja
    12. Juni 2016 at 12:53

    Hallo, ich versuche es auch mit der Methode. Ich suchte Bücher über Permakultur und stieß dabei auf „Der große Weg hat kein Tor“ von Fukuoka. Total genial. Bei mir wachsen die Puffbohnen an verschieden Orten und fühlen sich im Permakultur-Hügelbeet ebenso wohl, wie zwischen den Kartoffeln und anderen Dingen wild aufs Beet geworfen. Leider sind andere Dinge wie Diesteln, Tuja und dergleichen mehr dominanter und wuchern mir etwas zu sehr. Na ja, momentan wächst es mir sowieso buchstäblich über den Kopf, aber das hat andere Gründe. Jedenfalls hätte ich gern Kontakt zu anderen Menschen, die mit dieser Methode arbeiten. Ein Austausch könnte mir neuen Mut bringen. Im Internet gibt es so wenig darüber, es ist noch viel zu unbekannt… ständig wollen meine Bekannten und fleißigen Helfer, am liebsten mal richtig meinen Garten „aufräumen“… ich bin schon kurz davor umzuknicken und das Gras (wo ich auch Samen wild dazwischen geworfen hatte, aber noch nichts gesehen hab), mit der Motorsense oder dem Rasenmäher entfernen zu lassen. Am liebsten wäre mir die gute alte Handsense. Mal sehen. Ich würde mich jedenfalls über eine Art „Fukuoka-Experimentiergruppe“ freuen. Liebe Grüße, Anja

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