Und was habe ich damit zu tun?

Zur Zeit läuft im Fernsehen die ARD-Themenwoche „Essen ist Leben“. Es gibt aber weit mehr als nur Kochsendungen zu diesem Thema.
Wo kommt unser Essen her? Was ist im Essen drin? Warum gibt es Hunger auf der Welt?

Wir haben uns relativ viele Sendungen angesehen, weil wir das Thema sehr wichtig finden. Außerdem haben uns die verschiedenen Reportagen in unseren Selbstversorgerwünschen bestärkt und uns auch teilweise sehr, sehr nachdenklich gestimmt.

Wusstest du, dass wir in Europa soviel Milch produzieren, dass wir sie gar nicht selbst verbrauchen können? Was mit dem Überschuss passiert ist verheerend. Er wird zu Dumpingpreisen nach Afrika und Asien geschickt. Klingt doch gut. Die haben ja selber nichts.
Pustekuchen! Wir schicken das zu Dumpingpreisen in die dritteWelt. Unsere Milch kann dort zu Verkaufspreisen angeboten werden, die knappe 50% der Kosten betragen, die ein Milchbauer vor Ort zu tragen hat. Was bedeutet das? Ganz einfach, die Milchbauern verlieren ihre  Existenz, weil ihnen keiner die Milch abnimmt. Sie sind zu teuer.


Ähnlich verhält es sich mit Geflügel. Wir produzieren und produzieren. Und der Geflügelbauer in Afrika? Er kämpft ums Überleben.
Aber auch die Umwelt wird bitter belastet. Es ist ja nicht so, dass es in Asien und Afrika kein Geflügel gibt. Trotzdem transportieren wir unsere Überschüsse – unsere Abfälle – kreuz und quer über den Kontinent. Was der afrikanische Bauer frisch direkt an die Nachbarn verkaufen könnte, schweißen wir erstmal in Folien ein und schicken es auf eine lange Reise.

Das Spiel findet auch in umgekehrter Art und Weise statt. Das einzig gleiche an Version Nummer 2 ist: Wir gewinnen und die anderen verlieren schon wieder.
Wie das? Wir lassen für uns in der dritten Welt produzieren. Wertvolle Nahrung, die dort dringend gebraucht wird, kaufen wir auf, weil wir den Hals nicht voll bekommen. Wertvolle Ackerflächenlassen wur mit unseren Luxuswunschprodukten bepflanzen, so dass den Einheimischen sogar der Platz fehlt, um ihre Grundnahrungsmittel anbauen zu können.
Und jetzt kommt der größte Hohn an dieser Geschichte: Wir kaufen soviel auf, dass wir es gar nicht verarbeiten und verbrauchen können. Am Ende landet jede Menge Nahrung auf dem Müll.

Hast du eine ungefähre Ahnung, wie viel Lebensmittel wir wegschmeißen? Ich hoffe du sitzt, wenn du jetzt weiter liest.
Europa und Nordamerika schmeißen zusammen jedes Jahr so viel Nahrung in den Müll, dass man mit nur einem Drittel davon alle hungernden Menschen satt machen könnte.

Es ist erschreckend, oder?

Aber was kannst du als einzelne Person schon am Weltmarktgeschehen ändern?

Jede Menge!

Schaust du dir die Reportagen dieser Tage an, bekommst du von den Lebensmittelkonzernen auf jede „Warum-Frage“ die Antwort: „Weil der Verbraucher es so will!“
Du bist der Verbraucher.

Hast du dir über deinen Verbrauch und dein Konsumverhalten schon einmal richtig Gedanken gemacht?
Ein kleines Frage-Antwort-Spiel zum Nachdenken:
1.) Ärgert es dich, wenn du am Abend nach der Arbeit beim Bäcker nicht das Brot bekommst, was du haben möchtest oder wenn am Samstag die Supermarktregale nicht mehr alles bieten, was auf deinem Einkaufszettel steht?
Viele von uns werden die Frage ehrlicher Weise mit Ja beantworten müssen. Die Konzerne tun uns den Gefallen, darauf zu achten, dass sowas möglichst nicht vorkommt. Wie nett von ihnen.
Aber was heißt es denn, wenn du kurz vor Ladenschluss zum Bäcker kommst und dort deine 10 Brotsorten zur Auswahl hast? Richtig, der Bäcker schließt gleich, und von den noch vorhandenen Broten geht mal wieder ein Teil in den Müll.
Damit ein Bäcker dir das bieten kann, produziert er ca. 20% mehr, als er am Tag verkaufen kann. Diese 20% gehen in den Abfall.
(Ein Bäcker hatte die clevere Idee, das Brot wenigstens als Brennmaterial zu verwenden. Ja, er befeuert damit seine Öfen. Wenn jeder Bäcker Deutschlands den Überschuss so verarbeiten würde, könnte ein ganzes Atomkraftwerk abgestellt werden.)
2.) Legst du wert auf günstige Preise?
Na, wer tut das nicht, wirst du vielleicht denken. 
Aber den Preisdruck den wir damit auf den Markt ausüben hat schlimme Folgen. Wie soll denn das Leben eines Huhnes ausgesehen haben, wen ich es für 1,99Euro fertig verarbeitet kaufen kann? Ein Preis am Markt soll ja alle Kosten decken plus einen Gewinn bringen, ehe es auf meinem Tisch landet. 
Bauer, Transport, Zerlegebetrieb, wieder Transport, eventuell Lager, Supermarkt… Und jeder nimmt sich seinen Teil vom Kuchen.

Es liegt an uns selbst. Wir haben mehr Macht als wir glauben. Schauen wir uns nochmal den Weg eines Produktes vom Bauern bis auf unseren Tisch an:
Bauer, Transport, Zerlegebetrieb, wieder Transport, eventuell Lager, Supermarkt, dein Tisch.

Würdest du bewusst darauf achten, dass du regionale Produkte kaufst, kannst du die Kette drastisch verkürzen:
Bauer, Transport, Zerlegebetrieb, wieder Transport, eventuell Lager, Supermarkt, dein Tisch.

Theoretisch kann der Preis für ein Huhn dann bleiben wie er ist, aber der Bauer muss sich das Geld nicht mit Transporteuren und Verkäufern teilen, sondern hat es für sich und sein Huhn zur Verfügung.

Es gibt Produkte, die kann ein deutscher Bauer dir nicht bieten, nehmen wir das Beispiel Kaffee. Die Kette vom Bauer zu dir lässt sich jetzt schwer verkürzen.
Aber an dieser Stelle müssen wir auch bereit sein, den tatsächlichen Wert einer Ware zu bezahlen.

Jetzt schweif ich mal kurz ein bisschen ab, um das Ganze deutlich zu machen:

In einer Wirtschaftsendung zum  Thema Niedriglohn, erklärte ein „weiser Mann“, dass halt keine höheren Löhne gezahlt werden können, da der Wert des Produktes nicht so hoch ist.
Entschuldige mal bitte, der wahre Wert eines Produktes setzt sich realistisch aus den Material- und den Produktionskosten zusammen. Zu den Produktionskosten gehört die menschliche Arbeitskraft. Um diese zu erhalten muss der arbeitende Mensch aber „funktionsfähig“ gehalten werden. Das heißt, sie brauchen genug Geld um sich zu versorgen, ihre Miete zu zahlen und überhaupt zur Arbeit kommen zu können.

Zurück zum Kaffee: Wenn wir diesen trinken wollen, sind wir in der (moralischen) Pflicht, einen angemessen Preis zu zahlen.
Ich gebe es zu, bis dato haben wir uns auch den Kaffee für 2,79€ / Pfund gekauft. Aber Fehler erkannt, Fehler gebannt: Ab jetzt nur noch Fairtrade-Kaffee!
Der kostet zwar 4,99€ / Pfund, dafür kommt bei den produzierenden Bauern mehr Geld an. Bitte informier dich gewissenhaft über dieses Thema: ein kurzer Film

www.transfair.org
 

Einen Punkt, der mich in den letzten Tagen noch sehr aufgeregt hat, habe ich noch nicht erwähnt:

Wir leisten uns sogar die Arroganz, Lebensmittel nur zu essen, wenn sie schön sind. So haben wir zum Beispiel von einem deutschen Kartoffelbauern erfahren, dass zwischen 40 und 50% der Kartoffelernte bereits auf dem Feld aussortiert wird. Nicht etwa, weil die Kartoffeln schon gammelig sind. Nein, weil sie zu groß, zu klein, zu unförmig sind.
Welcher Selbstversorger würde die Hälfte seiner Ernte aus ästhetischen Gründen in den Müll schmeißen???

So, jetzt habe ich soviel geschrieben. Nochmal eine kurze Zusammenfassung, was du als einzelner Mensch dazu beitragen kannst, damit sich dieser Planet postiv entwickelt und verändern kann:

1.) Nur so viel kaufen, wie du auch tatsächlich verbrauchen kannst.
2.) Kaufen was auf natürlichem Wege verfügbar ist, dass heißt regional und / oder saisonal.
3.) Den wahren Wert eines Produktes bezahlen.

Und zu guter Letzt: Auch die Selbstversorgung leistet meiner Meinung nach einen sehr hohen Beitrag, diese Missstände aufzuarbeiten. Selbstversorgern ist bewusst, welche Mühe hinter dem jeweiligem Ernteertrag steht. Regional und saisonal sind die Produkte automatisch. Und mit ein wenig Übung, bekommst du es hin, entsprechende Mengen einzelner Produkte anzubauen, ohne dass am Ende ein riesen Überschuss auf deinem Kompost landet.

1 comment for “Und was habe ich damit zu tun?

  1. Avatar
    28. Oktober 2010 at 18:38

    ich finde es prima das du auf dieses Thema hier aufmerksam machst auch ich verfolge diese Themenwoche und die Dokumentationen dazu sehr aufmerksam, besonders nachdenklich hat mich die Doku „Frisch auf den Müll“ gemacht wer diese sich ansehen möchte dann kann er das unter :

    absolut sehenswert – und ich weiß nun das ich noch mehr an meinem Landleben arbeiten werde um uns noch besser selbst versorgen zu können um diese irrationale Misswirtschaft nur auf ganz minimaler Ebene unterstützen zu müssen…

    LG Hedwig

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