Regen-Sommer von Gottfried Keller

Heute regnet es schon den ganzen Tag. Aber das hat es ja recht oft in letzter Zeit. Wenn wir auch über die Fußbal-WM hinweg super Sommerwetter hatten, so ist es insgesamt in diesem Jahr ganz schön vertrackt.

Hier mal ein Gedicht von Gottfried Keller (1819-1890):

Sommer-Regen
Nasser Staub auf allen Wegen!
Dorn und Distel hängt voll Regen
Und der Bach schreit wie ein Kind!
Nirgends blüht ein Regenbogen,
Ach, die Sonn‘ ist weggezogen
Und der Himmel taub und blind!

Traurig ruh’n des Waldes Lieder,
Alle Saat liegt siech darnieder,
Frierend schläft der Wachtel Brut.
Jahreshoffnung, fahler Schimmer!
Mit den Menschen steht’s noch schlimmer,
Kalt und träge schleicht ihr Blut!

Krankes Weib am Findelsteine
Mit dem Säugling, weine! weine
Trostlos oder hoffnungsvoll:
Nicht im Feld und auf den Bäumen –
In den Herzen muß es keimen,
Wenn es besser werden soll!

Fleh‘ zu Gott, der ja die Saaten
Und das Menschenherz beraten,
Bete heiß und immerdar,
Daß er, unsre Not zu wenden,
Wolle Licht und Wärme senden
Und ein gutes Menschenjahr!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.